Rund 700 Menschen, drei Vorträge und drei Biodiversitätsspaziergänge: Die Veranstaltungsreihe mit dem Entomologen Thomas Hörren vom 5. bis 7. Oktober 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse an der biologischen Vielfalt und ihrem Schutz in Cuxhaven ist.
Gemeinsam hatten der Imkerverein Cuxhaven und Umgegend e. V., der NABU Cuxhaven und das Amandus-Abendroth-Gymnasium Thomas Hörren für mehrere Tage nach Cuxhaven eingeladen. Unterstützt wurde die Veranstaltungsreihe von der Biosphärenregion Niedersächsisches Wattenmeer, dem Landkreis Cuxhaven und der Stadt Cuxhaven.
Den Auftakt bildete ein öffentlicher Abendvortrag im Amandus-Abendroth-Gymnasium. Hinzu kamen zwei Schulvorträge für Schülerinnen und Schüler der Cuxhavener Biosphärenschulen. Insgesamt erreichten allein die Vorträge mehrere hundert Menschen.
Vom Insektenrückgang bis zu konkreten Handlungsmöglichkeiten
Thomas Hörren gab eindrucksvolle Einblicke in die Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Eine wichtige Rolle spielte dabei die sogenannte Krefelder Studie, an der Hörren selbst als Mitautor beteiligt war. Die Untersuchung dokumentierte über einen Zeitraum von 27 Jahren einen Rückgang der Biomasse fliegender Insekten um mehr als 75 Prozent in den untersuchten Schutzgebieten.
Doch abstrakte Zahlen standen nicht allein im Mittelpunkt. Anhand einzelner Arten – beispielsweise verschiedener Käfer – verdeutlichte Hörren, wie eng Arten, Lebensräume und ökologische Prozesse miteinander verbunden sind. Der Verlust einer Art kann Auswirkungen auf zahlreiche weitere Bestandteile eines Ökosystems haben.
Trotz der ernsten Situation blieb eine zentrale Botschaft: Es gibt viele Möglichkeiten zu handeln. Diese reichen vom naturnahen eigenen Garten über veränderte kommunale Pflegekonzepte bis hin zum Schutz und zur Wiederherstellung von Lebensräumen auf nationaler und internationaler Ebene.

Biodiversität unmittelbar erleben
Eine besondere Ergänzung zu den Vorträgen bildeten drei Biodiversitätsspaziergänge, die sich bewusst an unterschiedliche Zielgruppen richteten.
Bei einem fachlichen Spaziergang kamen Vertreterinnen und Vertreter des NABU, des Imkervereins sowie der Naturschutz- und Grünflächenbereiche von Stadt und Landkreis Cuxhaven zusammen. Gemeinsam mit Thomas Hörren wurden Flächen betrachtet und Möglichkeiten einer biodiversitätsfördernden Gestaltung und Pflege diskutiert. Gerade der Austausch zwischen Naturschutzverbänden und Verwaltung zeigte, wie wichtig Zusammenarbeit für einen wirksamen Schutz der biologischen Vielfalt ist.
Ein weiterer Spaziergang stand allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen. Hier konnten die Teilnehmenden erleben, wie selbst auf den ersten Blick unscheinbare Flächen eine Vielzahl von Arten beherbergen und mit welchem Blick ein Entomologe solche Lebensräume untersucht.
Der dritte Spaziergang richtete sich an Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte des Amandus-Abendroth-Gymnasiums und brachte die wissenschaftlichen Inhalte der Vorträge direkt in die Praxis.
Im Rahmen der Exkursionen besuchte Thomas Hörren auch das Außengelände der AWO-Kita Westerwisch. Das dort entwickelte naturnahe Grünflächenkonzept fand ausdrücklich seine Anerkennung. Das Beispiel zeigt, dass auch kleinere Flächen mitten im Siedlungsraum wertvolle Lebensräume schaffen und gleichzeitig Kindern unmittelbare Naturerfahrungen ermöglichen können.

Große Chance für die Biosphärenstadt Cuxhaven
Die Veranstaltungen machten zugleich deutlich, welches Potenzial der Status Cuxhavens als Biosphärenstadt bietet. Die Biosphärenregion kann als gemeinsamer Rahmen dienen, um Naturschutz, Bildung, Verwaltung, Vereine und Bürgerinnen und Bürger stärker miteinander zu verbinden.
Naturnäher gepflegte öffentliche Grünflächen, der Schutz bestehender Lebensräume, eine bessere Vernetzung von Biotopen, heimische Pflanzen sowie eine intensive Umweltbildung sind nur einige der Möglichkeiten, biologische Vielfalt vor Ort zu fördern.
Der große Zuspruch zur Veranstaltungsreihe zeigt, dass dieses Thema viele Menschen bewegt. Rund 700 Teilnehmende innerhalb von drei Tagen machen deutlich: Biodiversität ist kein Nischenthema.
Danke für die Unterstützung
Eine Veranstaltungsreihe dieser Größenordnung wäre ohne die Unterstützung zahlreicher Partner nicht möglich gewesen. Unser besonderer Dank gilt der Biosphärenregion Niedersächsisches Wattenmeer und dem Landkreis Cuxhaven für die umfangreiche finanzielle Förderung. Ebenso danken wir der Stadt Cuxhaven für die Zusammenarbeit.
Das Best Western Hotel Das Donners unterstützte die Veranstaltungsreihe zudem durch die Unterbringung von Thomas Hörren.
Vor allem danken wir aber allen Besucherinnen und Besuchern, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Ehrenamtlichen sowie den Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Institutionen, die sich auf die gemeinsame Suche nach der Vielfalt vor unserer Haustür gemacht haben.
Die drei Tage haben gezeigt: Der Verlust der biologischen Vielfalt ist eine große Herausforderung – gleichzeitig bestehen direkt vor Ort zahlreiche Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu verändern.
